UA 2007


09.09.07 Kroscienko – Turka – Ushok-Pass – Ushgorod

Früh geht es los. Wecken um 7.00 Uhr. In aller Ruhe nehmen wir unser Frühstück ein, packen noch die restlichen Dinge zusammen und bezahlen bei unseren Wirtsleuten. Wir tanken im selben Ort für unsere letzten Zloty. Es sind noch ca. 50 km bis zur Grenze. Wir hoffen, dass wir diesmal bei Kroscienko in die Ukraine einreisen können.

Der Weg dorthin zieht sich, wir passieren Ustryki Dolne und nähern uns dem Grenzübergangspunkt. Wir sind unsicher, fahren an der endlosen Schlange (Ukrainer, Polen) vorbei und werden zum Ausländerkontrollpunkt durchgewunken. Formalitäten wie gehabt, prüfende Blicke der Grenzer, Ausfüllen der Immigration Card. Hier scheinen zwei Gruppen ihren Dienst zu tun, das eine sind vermutlich die Grenzer, das andere sind offenbar Zollbeamte. Während wir die „Papierchen“ ausfüllen, kommt einer der Zollbeamten und tuschelt uns etwas von Geschenken zu. Wir können uns vorstellen, was er meint, stellen uns aber dumm. Er bleibt freundlich und trollt sich, versucht sein Glück bei den Nächsten und hat es scheinbar auch. Nachdem die Papiere ordnungsgemäß ausgefüllt sind und wir alle Stempel haben, dürfen wir das Tor zur Ukraine durchfahren. 
 

Das Wetter ist trübe. Wir durchqueren ukrainische Dörfer mit weinberankten Lauben. Gsd sind die Straßen einigermaßen, trotzdem bleiben wir wachsam.

Es ist Sonntag und vor den Kirchen stehen die Menschen zum Teil in Schlangen, manche beten davor knieend. Auf den Straßen Kirchgänger, die ihren Sonntagsstaat tragen, gelegentlich auch einige, die zu tief ins Glas gesehen haben.

 

Kurz vor Turka erreichen wir den ersten Straßenkontrollpunkt. Anstandlos fertigt man uns ab. Wir entschließen uns, Turka einen kleinen Besuch abzustatten, da wir auf der Suche nach einem Bankomaten sind.

 


Durchfahren das Stadtzentrum und gelangen zum Sportplatz, an dem die Zuschauer schon auf das Einlaufen der Spieler warten. Skeptisch werden wir beäugt, aber dieses Gefühl ist auch auf unserer Seite. Bankomat: Fehlanzeige.

Wir setzen unsere Reise zum Ushok-Pass fort und genießen die herrliche Landschaft, mittlerweile im Sonnenschein
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Kurz vor dem Ushok-Pass erwartet uns der zweite Kontrollpunkt, auch hier dürfen wir ohne Komplikationen passieren.


Gegen 16 Uhr erreichen wir Ushgorod und finden auch schnell das Hotel „Atlant“.

 

Diesmal müssen wir ein Luxus-Zimmer beziehen. Nachdem wir uns eingerichtet haben, unternehmen wir einen längeren Spaziergang durch das Stadtzentrum und finden in der Fußgängerzone auch einen funktionierenden Bankomaten.

Wir überqueren hinter dem Theaterplatz die Brücke über die Usch,



 


schlendern bis zur orthodoxen Kirche,


biegen dort ab und folgen einer großen Einkaufsstraße, ganz im westlichen Stil, zurück zum Fluß. Dort erwartet uns ein sozialistischer Bau, ehemals Theater, mittlerweile halb verfallen.


In den Außenanlagen vervollkommnen jugendliche Skater ihr Können. Auf dem Theaterplatz genießen die Menschen den Abend. Eine Gruppe von Jugendlichen spielt „Hacky-Sack“. Zurück in der Fußgängerzone verspüren wir Hunger und suchen uns ein Restaurant. Die Bedienung spricht ein wenig Englisch und es gibt sogar eine englische Speisekarte, was für ein Glück. Nach dem Essen gehen wir noch in einen SB-Shop und kaufen Wodka und Bier. Leider hilft auch das nicht gegen die Mücken im Zimmer und die Geräuschkulisse im und außerhalb des Hauses.

Tagesstrecke: 260 km
Ü: 295 Hr.

10.09.07 Ushgorod – Mukacheve – Synevir – Ust-Chorna

Gegen 8.30 Uhr stehen wir auf, bezahlen das Zimmer bei einem zarten Persönchen, die mit ihren langen, gepflegten Fingernägeln an eine Raubkatze erinnert. In perfektem Englisch weist sie uns den Weg zum Restaurant. Nach Pfannkuchen und Rührei setzen wir unseren Stadtrundgang fort. Ziele u.a.: Ehemalige Synagoge, Kreuzerhöhungskirche und Schloss.


Das Skansen lassen wir aus, da wir im letzten Jahr in Sanok das Freilichtmuseum besucht hatten. Unsere Reise geht weiter, zunächst Richtung Mukacheve. Dort ist Markt und später ärgern wir uns, dass wir nicht angehalten haben.


Auf gut ausgebauten Straßen geht weiter über Niznhe Vorota, Volovets und Mischgirja.


Auf der Strecke nach Ust-Chorna biegen wir in Synevir zum gleichnamigen See ab.




Für die letzten Kilometer müssen wir einen Wegezoll von 9 Hr. bezahlen. Leider regnet es wieder und wird die nächsten zwei Tage auch nicht aufhören. Vom Parkplatz aus gehen wir die letzten 800 m zu Fuss steil bergauf.


Ein wenig aus der Puste erreichen wir den malerischen kleinen See. Der einzige Alpsee in den Transkarpaten, in 900 m Höhe, von Wald umgeben und wir sind die einzigen Touristen. Ein paar Schnappschüsse,



dann der Abstieg. Das Wetter lädt nicht zum Verweilen ein. Es ist halbfünf und wir wollen noch unser Tagesziel erreichen. Drei Stunden werden wir wohl noch brauchen, da es bald dunkel wird und die Straßenverhältnisse nicht die besten sind. Als wir im Teresvar-Tal ankommen, sind wir angenehm überrascht, die schlimmsten Teilstücke auf dem Weg nach Ust-Chorna wurden erneuert und so bleibt uns eine große Strapaze erspart. Als wir bei Valentin und Maria eintreffen, ist die Freude auf beiden Seiten groß, das Essen steht schon auf dem Tisch in der Sommerküche und es ist kuschelig warm. Es gibt viel zu erzählen....

Tagesstrecke: 303 km
Ü:


11.09.07 Ust-Chorna – Lopuchovo

Frühstück um 9.00 Uhr (Österr. Zeit). Dann mit dem Fahrrad durchs Dorf zum ehemaligen Bahnhof. Wir sind auf der Suche nach Relikten aus der Zeit, als die Schmalspurbahn noch in Betrieb war.



 



                               

      

Die kleinen Triebwagen stellten die Verbindung in die Taler her, 16.9.1993, Ust-Tschorna. Foto: Chr. Ammann
(Quelle: www.dzherelo.com.ua/en/articles/Eisenbahn)


Nach dem endgültigen Aus der Schmalspurbahn infolge des großen Hochwassers 1998 wurden die Arbeiter mit Eisenbahnschienen ausgezahlt, die noch heute vor manchen Häusern zu sehen sind.


Weiter geht es nach Lopukhovo (siehe auch Filmbericht auf arte im Dezember 2007, NeSTU --> Links) über „Loch und Stein“. Dort kaufen wir in einem kleinen Lädchen Süßigkeiten (sehr süß) und halten dann an der orthodoxen Kirche, wo wir zur Messe hineingebeten werden. Es ist, was wir nicht wußten, ein orthodoxer Feiertag. Was wir beobachten: Scheinbar tragen alle verheirateten Frauen ein Kopftuch. Zum Abendmahl gehen die Männer zuerst nach vorne.

 

Noch vor Ende der Messe verlassen wir die Kirche und holpern auf unseren Fahrrädern wieder ins Tal hinunter, denn um eins erwartet uns Maria mit dem Mittagessen.


Der Regen setzt wieder ein und wir machen erstmal unsere „Hausaufgaben“. Gegen Abend trauen wir uns noch einmal aus dem Haus und machen einen Spaziergang durchs Dorf.

Es sind nicht nur Menschen auf den Straßen, auch die Kühe kommen von ihren Weideplätzen nach Haus und stehen vor den Toren, bis sie hereingelassen werden. Wir betreten ein kleinen Laden (der von außen überhaupt nicht danach aussah) und sind überrascht, als der junge Mann hinter dem Tresen einige Brocken deutsch spricht. Er freut sich sichtlich darüber, diese „an den Mann bringen zu können“. Wir erstehen Kräuterbonbons und je zwei Flaschen Owolon und Lwiwske Piwa (gut und supergut!!). Zum Abschied dürfen wir Fotos vom Laden, ihm und einem weiteren Kunden machen. Alles für 16 Hr. Wieder mal haben wir das schöne Gefühl, in einem fremden Land freundlich aufgenommen zu sein.



 


Tagesstrecke: 0 km
Ü:


12.09.07 Ust-Chorna – Ruska Mokra – Komsomolsk


9.30 Uhr ÖZ stehen wir auf, sehr spät zum Frühstück. In der Nacht ist kein Strom da und als wir um drei Uhr zum P... aufstehen, müssen wir uns an der Öllampe zur Toilette hangeln. Nach dem Frühstück machen wir es uns nochmal im Zimmer gemütlich, denn es regnet immer noch (seit gestern Mittag ununterbrochen). Gegen 12 Uhr starten wir zur Post, wo wir Briefmarken bekommen und endlich unsere Karten (aus Krakau) auf den Weg schicken können. Wir sind mit dem Wagen gefahren und da die Teresvar sehr viel Wasser führt, fahren wir talabwärts bis Krasna. Erstaunlich, wieviel Müll ins Tal gespült wird, Plastikflaschen ohne Ende (wer die wohl wieder aus dem Fluss herausholt?). Zurück bei unserer Gastfamilie gibt es gleich Mittagessen: Suppeneintopf, Risotto und gebratene Wurst. Valentin ist mit dem kleinen Mischa nach Mukacheve gefahren. Dort besuchen sie einen Augenarzt, da der Kleine eine Augenfehlstellung hat und, wie wir am Abend erfahren, demnächst operiert werden muß. Der Regen hat jetzt ein wenig nachgelassen und wir machen uns mit unseren Fahrrädern auf nach Komsomolsk (Deutsch-Mokra). Wir reiten die Schlaglöcher ab. Am Ortsausgang von Königsfeld stehen ein paar Männer am Flussufer und fischen mit einer Art Speer das Treibholz aus dem Wasser.


Der Regen setzt wieder ein, aber wir trotzen dem Wetter. Zuerst gelangen wir nach Ruska Mokra. Das Dorf erstreckt sich auf einer Länge von ca. 3-4 km. Bald danach erreichen wir Deutsch-Mokra (Komsomolsk).

Als wir an der katholischen Kirche ankommen, gönnen wir uns eine Pause. Eine ältere Dame kommt vorbei und erzählt uns etwas, was wir leider nicht verstehen können. Sehr glücklich sieht sie allerdings nicht aus und nach einer Weile geht sie ihrer Wege. Wir hätten Lust, noch weiter ins Tal hinauf zu fahren, sehen davon jedoch wegen des anhaltenden Regens ab und kehren um. In Ust-Chorna gibt es gegenüber dem Mini-Hotel ein kleines Café, in dem wir einkehren und Kawa trinken. Bevor wir nach Hause kommen, halten wir noch in „unserem“ neu entdeckten Lädchen an und kaufen noch etwas ein.



Wieder geht ein Tag zu Ende und wir lassen das Erlebte noch einmal Revue passieren.

Tagesstrecke: 24 km
Ü:


13.09.07 Solotvyno – Dubove – Rachiv – Jasinia – Jablunica -Pass – Putila – Halischka

Wir wollen noch weiter in den Osten, starten kurz nach neun in Ust-Chorna und fahren talabwärts Richtung Tereswa. 


Kurz hinter Ternovo tanken wir und in Teresvar stoppen wir, um bei einer Straßenhändlerin frisches Obst zu kaufen. Wir sind jetzt auf der P 03, die uns nach Osten führt. In Solotvino können wir von der Straße die Fördertürme der ehemaligen Salzminen sehen. 


Leider wissen wir nicht viel über den Ort, außer dass die Theiß ihn von Sighetu Marmatiei trennt. Es sind noch einige Kilometer bis nach Dilove, dem angeblichen geografischen Mittelpunkt Europas (die Gelehrten streiten sich noch darüber).


Als wir dort halten, bevölkert gerade eine internationale Schulklasse aus einem Kiewer Internat den Platz. (Wir erfahren dies von einer der Begleitpersonen – einem Engländer –, den wir ansprechen, nachdem wir hören, das sich alle auf englisch unterhalten.)


Über Rachiv


und Jasinja (Skigebiet) geht es weiter zum Jablunica-Pass.


Dort oben stehen zahlreiche Verkaufsstände. Chrissi ersteht ein Paar Schafwollsocken (und kriegt jetzt keine kalten Füsse mehr). Bis Tartariv geht es weiter auf der P 03, hier biegen nach Südosten ab und wollen hinter Voroschta (Sprungschanze)


nahe an die Hoverla (2060 m) heranfahren. Leider liegt sie im Nebel, so dass wir die Spitze nicht erkennen können (Irgendwann werden wir sie besteigen).

Hier entspringt der Prut, den wir auf unserer Fahrt überqueren. Wir wollen versuchen, über einen kleinen Grenzübergang bei Seljatin nach Rumänien zu kommen. Die Karte zeigt passierbare Straßen an, wie sie tatsächlich sind, wird sich noch zeigen. Später sehen wir, dass sich durch den Regen einige Straßenabschnitte in wahre Schlammpisten verwandelt haben. Mitten im Fluss Tschornyi Tscheremosch vor Ust-Putila sind zwei Bagger vom Hochwasser überrascht worden, die für Uferbefestigungen im Einsatz waren.


Die Strecke ist brutal und unsere Hoffnung, dass es sich nur um ein kurzes Stück handelt, erfüllt sich zunächst.


In Putila versorgen wir uns mit Proviant. Schon kurz nach dem Ortsausgang endet die Ausbaustrecke. Was wir nicht ahnen, uns erwarten 35 km Buckelpiste, allerdings mit Ausblicken auf eine wunderschöne Alpenlandschaft. Nur noch ein Pass bis Seljatin. Hinter Plosca, auf dem Pass, beginnt das ehemalige Sperrgebiet. Wir sind im ersten Moment erschrocken, als wir das Wachhäuschen und die Schranke sehen.


Doch es ist verlassen. Wie wir später lesen werden (http://www.garz.de), hatte hier ein Ehepaar auf seiner Radreise sein Nachtlager aufgeschlagen. Mittlerweile ist die Dämmerung hereingebrochen. Es sind nur noch weniger km bis Seljatin und wir hoffen, dort eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. In der Dunkelheit sehen wir nichts, was im entferntesten dazu einlädt. Kurz hinter Halitsivka entdecken wir im Scheinwerferlicht einen Waldweg neben der Straße, auf dem wir unseren Bus abstellen, um dort die Nacht zu verbringen. Ein bisschen mulmig ist uns schon, so mitten in der Botanik zu stehen. Als wir unsere Gardinen anbringen und schon zwei Fahrzeuge vorbeigefahren sind, nähert sich das dritte, fährt zunächst vorbei, stoppt nach ca. 100 m und kommt zurück. Uns rutscht das Herz in die Hose, erstmal alle Türen dicht, dann sehen wir, dass es Uniformierte sind und öffnen die Tür. Leichte Entspannung, aber Chrissi zittern immer noch die Knie, als sie die Papiere heraussucht. Einer der Grenzer spricht ein wenig Englisch und ist sehr nett. Er fragt uns, warum wir nicht in ein Hotel gegangen sind, in Seljatin würde es eins geben. Chrissi erklärt ihm, dass wir einen Campingbus haben. Dann wünscht er uns „Good night“ und die beiden fahren weiter. Gut, dass wir noch Wodka gekauft haben. Davon genehmigen wir uns jetzt erstmal einen kräftigen Schluck! Nur noch schnell das Bett zu Ende gemacht und die Decke über den Kopf gezogen!!!

Tagesstrecke: 203 km
Ü: 0 Hr.


14.09.07 Ruska – Grenze UA-RO – Radauti – Sucevita


Um halb acht wachen wir auf und

es ist sehr kühl draussen und Nebel hängt im Tal.

  


Wir sehen uns ein wenig um und glauben, dass wir in Klein-Sibirien sind. Während wir unser Frühstück im Bus einnehmen, beobachten wir das Geschehen auf der Straße: Kühe werden auf die Weide gebracht. Inzwischen steigt der Nebel hoch und die Aussicht wird besser und besser (tatsächlich Klein-Sibirien!).

Bald brechen wir auf, fahren ein Stück zurück und schauen uns die Grenzanlagen nach Rumänien und den Flecken Halytsivka an.
Die Grenze wird heute noch bewacht.


Auf geht es nun zur Grenze. Ruska-Ulma.

    

Am Grenzübergangspunkt angekommen, macht man uns klar, dass dieser Übergang nur für Ukrainer und Rumänen zugelassen ist. Eine freundliche Grenzerin erklärt Chrissi den Weg zum nächsten internationalen Übergang (soda, soda... da entlang, da entlang).



Enttäuscht ziehen wir von dannen. Schon nach einigen 100 m wird uns klar, dass die Buckelpiste noch lange nicht zu Ende ist. Es wird noch etwas kitzliger auf der vor uns liegenden Strecke. Eine wunderschöne Gegend, aber Serpentinen ohne Ende, die so eng und überhöht sind, dass wir befürchten, mit dem Wagen umzustürzen. Die Ukrainer sind hier skrupellos, sogar ein großer BMW kommt uns entgegen.

   


Aber auch diese Strapaze bringen wir hinter uns, vor allem, weil das Wetter uns seit gestern hold ist und die Sonne sich von ihrer besten Seite zeigt. Nach gut 30 km haben wir wieder eine feste Fahrbahn unter den Rädern, durchqueren hübsche Dörfer und erreichen gegen 14 Uhr die Grenze nach Rumänien.

Weiter in Rumänien                                Start                                    Zurück