Ukraine 2011, 2. Woche

 

Donnerstag, 15.09.2011 - Neunter Tag

 

UA: Ust-Chorna  - Vorochta - Hoverla - Il'tsi 

 

Nach langen Verabschiedungen starten wir gegen neun Uhr in Richtung Teresvar und lassen uns auf der Fahrt noch einmal die Erlebnisse der vergangenen Tage durch den Kopf gehen. Wir haben positive Veränderungen festgestellt, z.B. Privatinitiativen, wie die Aktivitäten von Josef oder Nicolai ("Burkut" Touristenkomplex), aber auch Stagnation oder Verfall ist an einigen Stellen hier im Tal zu beobachten.

 

                               

 

Wir brauchen ca. 2 h, um nach Teresvar zu kommen, erst dann werden die Straßen besser und wir fahren weiter nach Osten, Solotvino, Dilove (geograf. Mittelpunkt Europas), an der Theis entlang. Häufig sind Uferbefestigungen weggespült.

 

                

 

Hinter Rachiv erreichen wir den Jablunica-Pass, wenden uns dann wieder nach Südosten, fahren am Ceremosh entlang mit Blick auf die Hoverla und essen hinter Vorochta in einem pompösen Landhotel im Blockhausstil zu Mittag.

Danach biegen wir noch einmal von der Hauptstraße nach rechts ab und fahren direkt auf die Hoverla zu. Als wir am Parkplatz, dem Eingang zum Naturschutzgebiet aussteigen wollen, kommt gleich ein junger Mann ans Auto und verlangt einen ordentlichen Betrag als Parkgebühr. Das erscheint uns hier nicht gerechtfertigt und da wir ohnehin nicht auf den Berg steigen wollen, fahren wir wieder.

 

                       

 

Wir erreichen Il'tsi (Bezirk Ivano-Frankivsk), wo wir zum Tanken anhalten. Der Tankwart spricht etwas englisch und Hartmut fragt ihn nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Er deutet auf das gegenüberliegende Geschäft, welches von Andrej geführt wird. Andrej spricht gut englisch und fährt mit uns zu seinem Grundstück, wo wir uns auf die Wiese stellen und die Toiletten und Dusche in der Ferienwohnung nutzen können. Kurze Zeit später kommt seine Mama von der Arbeit und wir vereinbaren, dass sie uns später ein huzulisches Abendessen bereiten wird.

 

                

 

Andrej zeigt uns noch das Anwesen, danach brechen wir zu Fuß zu einem Ortsrundgang auf. Gleich hinter dem Garten geht es hinunter zum Fluss und über diesen führt eine Hängebrücke zur Hauptstraße zurück.

 

Als wir zum Wagen zurückkommen, ist das Abendessen fertig:  Tomaten mit Knobi-Mayo, Polenta, Steinpilze mit Schmand und Dill, Schichtkäse mit Rahm und Brinza, dazu "Kompott" (Apfelsaft, hier aus geräucherten Früchten - "special").

       

 

Tkm: 210

Ü + Abendessen + Frühstück:  25 €

 

 

Freitag, 16.09.2011 - Zehnter Tag

 

UA: Il`tsi - RO: Sucevita

 

Um sieben Uhr gibt es Frühstück. Da wir uns heute einige km vorgenommen haben, lassen wir den Wecker um halbsieben klingeln. Was wir serviert bekommen ist typisch huzulisch, es gibt Pilzragout, Kartoffeln mit Dill, rote Beete und Karottensalat, saure Tomaten, so etwas ähnliches wie Mozzarella, rote und weiße "Grützwurst", Anis- oder Fencheltee - den braucht man für die Verdauung. Andrej kommt vorbei, wir erzählen noch ein wenig, dann kommt auch sein Vater dazu, die Mutter ist schon zur Arbeit. Zum Abschluß bekommen wir noch eine Tüte Äpfel geschenkt und müssen Bilder machen.

 

          

 

Bis wir dann endlich loskommen wird es dann doch 9 Uhr, es geht Richtung Verchovinja und weiter am Ceremosh entlang, bis wir nach Putila abbiegen. Als wir durch Putila fahren, sind wir noch guter Hoffnung, dass die Straße nach Seljatin mittlerweile ausgebaut ist, doch nur wenige km später werden wir eines Besseren belehrt. Langsam schraubt sich die Schotterstrecke in die Berge um Ploska, bis wir kurz hinter dem Ort von einem Polizeiposten kontrolliert werden. Öfter mal was Neues. Sie schauen sich unsere Pässe an und fragen, wo wir hinwollen.....

     

      

Die Landschaft ist wunderschön und das Wetter traumhaft. Als wir Ruska erreichen, legen wir erstmal eine Kaffeepause ein, nach dem Tee am Morgen freuen wir uns auf unseren Milchkaffee und genießen dazu ein Stück von Marias Käsekuchen. Als wir über den Pass nach Berehomet fahren, werden wir wieder kontrolliert, diesmal von 2 jungen, hübschen, uniformierten Damen.

 

              

 

              

 

Eigentlich wollten wir auf der Ostseite des Karpatenkamms wieder zurück fahren, Richtung Lviv, doch wir entschließen uns, zur Rückfahrt über Rumänien, um Zeit zu sparen. Ein fataler Fehler, wie sich am Grenzübergang herausstellt.

Es herrscht Chaos. Selbst in den Shop wird man nur sporadisch hineingelassen. Hier verbringen wir 5 (in Worten: FÜNF) Stunden, um aus der Ukraine in die EU zurück einzureisen. Die Spur für EU-Bürger, auf die uns ein rumänischer LKW-Fahrer hinweist, ist nicht vorhanden. Der Schmuggel blüht, reihenweise werden Zigarettenpakete aus den Autos herausgeholt, alles wird auf den Kopf gestellt. Unsere Laune verdüstert sich mehr und mehr. Als wir dann an der Reihe sind, dauert die ganze Abfertigung keine 5 min. Der Zöllner spricht französisch und so können wir ihm schnell verständlich machen, dass wir nur auf der Durchreise sind. Nach einem kurzen Blick ins Wageninnere winkt er uns weiter.

 

Nach 45 min. erreichen wir den CP in Sucevita, es ist inzwischen 21.30 Uhr und wir haben Glück noch jemanden vom Personal anzutreffen, der uns den Stromkasten öffnet. Gsd haben wir noch Proviant dabei und können den Frust mit einem kleinen Absacker herunterspülen.

 

Tkm: 240

Ü: 12 €

Rovinieta: 3 €

 

 

Samstag, 17.09.2011 - Elfter Tag

 

RO: Sucevita - HU: Levelek

 

Am Morgen werden wir mit Sonne geweckt (wie übrigens fast jeden Tag). Beim Frühstück haben wir Gesellschaft  von einem kleinen Hund, ein süßes Kerlchen, der wohl ein morgendliches Leckerli erhofft (und es auch bekommt). Überall in den umliegenden Appartments ist Aufbruchsstimmung und eine Hochzeitsgesellschaft kündigt sich für heute an.

    

 

Schon kurz nach der Abfahrt halten wir am Pasul Ciurmina an und kaufen einige der bemalten Eier, diesmal gibt es sie aus Holz. Für 3 Stück zahlen wir 5 €. Die Landschaft ist herrlich, wir kommen am Kloster Moldovita vorbei, die Straßen sind bestens, bis zum nächsten Pass. Als wir ins Tal der Bistritsa einbiegen, werden die Straßen grauenvoll, und erst nach dem Pasul Prislop können wir wieder, ohne ständig auf Schlaglöcher zu achten, unsere km abspulen. In Viseu de Sus herrscht geschäftiges Treiben. Wir erinnern uns an die schöne Fahrt mit der Wassertalbahn, die einen Monat nachdem wir hier gewesen waren, in großen Teilen weggespült wurde.                                   

                                 

                                                                                                                                       Flösser in den Karpaten

 

           

 

           

 

In Sighetu Marmatiei hatten wir vor zwei Jahren die Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus besucht und später den Grenzübergang zur Ukraine mühsam gefunden.

 

Die Strecke bis Livada ist landschaftlich sehr schön, zwischendurch genießen wir den Blick über die Theis hinweg, auf die ukrainischen Karpaten.    

 

Wir passieren die Grenze zu Ungarn ohne Aufenthalt bei Csengersima und finden kurze Zeit später einen See mit Campingplatz bei Levelek. Bevor es dunkel wird spazieren wir noch eine Runde am See und bewundern die Ruhe der Angler. Der CP ist wie ausgestorben, nur der See bekommt noch ein paar nächtliche Besucher.

 

    

 

Tkm: 420

Ü: 8 €

 

 

Sonntag, 18.09.2011 - Zwölfter Tag

 

HU: Levelek - SK: Vlkolinec - PL: Swinna b. Zywiec

    

Schon früh brechen wir auf, der Weg führt uns zum zweiten mal an Tokaj vorbei. Diesmal nehmen wir von einer Weinprobe Abstand. Über Zvolen, Banska Bistritsa und durch die Niedere Tatra erreichen wir am frühen Nachmittag Vlkolinec in der Slowakei. Dies ist ein historisches Dorf, dass 1993 in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen worden ist. Gegen ein geringes Eintrittsgeld können wir durch das beschauliche Örtchen wandern und die Aus- und Ansichten genießen.

 

          

 

Kurz vor der polnischen Grenze passieren wir den Orava-See bei Namestowo. Schöne Gegend. CPs gibt es auch, unser Tagesziel ist heute jedoch Zywiec in Polen. In Swinna, einem Vorort von Zywiec parken wir an einem Hotel mit Restaurant. Zum Duschen bekommen wir einen Zimmerschlüssel.

    

 

Es ist schwül und wir machen einen Spaziergang am Fluss Koszarawa, sehr idyllisch und laufen dann ca. 6-7 km um einen Supermarkt zu finden - es sind reichlich Mückenschwärme unterwegs. Später gönnen wir uns ein Abendessen im Restaurant, sehr lecker. Nachts beginnt es leicht zu regnen und der nächste Tag beginnt trüb und kalt.

 

Tkm: 450

Ü: 69 ZL (ca. 18 €)

Essen: 150 ZL (ca. 40 €)

 

 

Montag, 19.09.2011 - Dreizehnter Tag

 

PL: Swinna b. Zywiec - D: Bautzen

 

 

Um 9.30 Uhr starten wir in die schlesischen Beskiden und wir wollen eigentlich die Weichselquelle ausfindig machen, ohne Karte und Reiseführer scheitern wir - auch wegen des schlechten Wetters. Es herrscht dichter Nebel und insgeheim haben wir beschlossen, noch einen Tag in Bautzen zu verbringen.

 

Bald erreichen wir die Autobahn Richtung Westen, passieren Oppeln und biegen von der Bahn ab, um eine kleine Stadtrundfahrt durch Wroclaw (Breslau) zu machen. Leider ist uns der Wettergott nicht gnädig, der Regen strömt.

 

             

 

Und so belassen wir es bei der Durchfahrt und ein paar Bildern. Weiter westlich klart der Himmel auf und als wir gegen 17 Uhr den CP in Burk bei Bautzen erreichen ist es  - zumindest von oben - trocken.

 

Nach dem Einchecken fahren wir - von der CP-Wirtin mit guten Tipps ausgerüstet - zum Abendessen in die Stadt. Zunächst reicht die Regenpause für einen kleinen Spaziergang. Wir landen in der Bautzener Senfstube, essen gut und probieren einige der angebotenen Senfsorten.

 

 

Tkm: 520

Ü: 22 €

Essen: 31 €

 

Dienstag, 20.09.2011 - Vierzehnter Tag

 

D: Bautzen - Goslar

 

Heute schlafen wir aus. Frühstück gibt es erst um viertel vor neun mit Brötchen aus der Landbäckerei (abends geordert).

 

Auf dem Plan steht die Gedenkstätte Bautzen, ein Ort, der über Jahrzehnte inmitten der Stadt für viele Menschen unbeschreibliches Leid gebracht hat. Beim Besuch der Gedenkstätte wird bewußt, welches System hier geherrscht hat.

 

            

 

             

    

 

Das Wetter meint es heute wieder gut mit uns, die Sonne strahlt vom blauen Himmel, da lohnt sich ein ausgiebiger Spaziergang durch die hübsche Altstadt mit ihren vielen Türmen.

 

        

 

Zum verspäteten Mittagessen kehren wir in das sorbische Restaurant "Wjelbik" (Gewölbe) ein. Es gibt Kalbsleber, Wirsingroulade, Kürbisknöpfle, ein Souvenir (Moja Lubka = sorbischer Kräuterlikör) und einen Einblick in das sorbische Leben von der Kellnerin. Ein schöner Urlaubsabschluß!

 

          

 

 

Tkm: 370

Essen: 40 €

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