Ukraine 2011, 1. Woche

 

Bautzen/D - Tarnow/PL - Dukla-Pass/PL-SK - Volovets/UA - Ust-Chorna/UA

 

Erster Tag 

 

07.09.2011

 

Goslar - Bautzen/D

 

Gleich nach der Arbeit, 14.45 Uhr, starten wir in den Urlaub. Über die Autobahn geht es nach Bautzen - Stadt der Türme - und unser erster Übernachtungsplatz liegt am Bautzener Stausee.

 

               

 

Nachdem wir gegen 19 Uhr angekommen sind, vertreten wir uns erstmal die Beine am Stausee.

 

         

 

Als wir zurückkommen, können wir beim Abendessen den Sonnenuntergang genießen. Wir geben noch unsere Brötchenbestellung an der Rezeption auf, bevor es in die Federn geht.

 

 

Tkm: 356

Ü:  22,50 €

 

Zweiter Tag

 

08.09.2011

 

Bautzen/D - Tarnow/PL

 

Nicht allzu früh wachen wir am nächsten Morgen auf, holen unsere bestellten Brötchen ab und frühstücken in aller Ruhe mit Blick auf den See. Nachdem wir zusammengeräumt haben, fahren wir zum Tanken nochmal in die Stadt zurück und begeben uns anschließend auf die Autobahn Richtung Polen.

 

          

 

Durch Niederschlesien zieht sich unser Weg bis ins oberschlesische Kohlerevier, die Landschaft mal hügelig, mal plattes Land, bis Krakau. Dahinter ist Ende der Autobahn und es geht auf der Bundesstraße im Stopp & Go zum CP No. 202 in Tarnow. Nach dem Einchecken laufen wir ca. 15 min. bis zum Zentrum. In einem Kantor können wir gerade noch vor Ladenschluss Geld tauschen.

 

                

 

Gleich neben der Basilika gibt es eine Pizzeria, in der wir uns den Bauch vollschlagen. Hier bekommen wir allerdings keine alkoholischen Getränke, wir nehmen mit Wasser vorlieb. Als wir das Lokal verlassen, erspähen wir in der Nähe eine Café-Bar, in der wir uns noch einige Biere (Okocim, 0,5 l für 5 Zloty = ca. 1,10 €) durch die Kehle rinnen lassen. Satt und zufrieden machen wir uns auf den Heimweg und fallen in unsere vorbereitete Koje.

 

           

 

 

                

 

Tkm: 547

Ü: ca. 15 €

 

Dritter Tag

 

09.09.2011

 

Tarnow/PL - Dukla-Pass/PL-SK - Volovets/UA

 

Aus dem Reiseführer hat Chrissi herausgefunden, dass es in Tarnow eine Teespezialität gibt. In einem Kaufland-Markt versuchen wir diesen Tee aufzutreiben, leider erfolglos. Die Verkäuferinnen geben sich große Mühe, kennen diese "Spezialität" jedoch nicht. Wir nehmen dann eine andere Sorte und erstehen beim Bäcker noch kleine Gebäckteilchen. Wir müssen der Verkäuferin klarmachen, dass wir keine 2 kg, sondern nur 2 Stück kaufen möchten.

 

          

 

Der Kompass zeigt jetzt Richtung Süden, wir nähern uns dem Dukla-Pass und müssen vor einer Baustelle anhalten. Es wird eine große Brücke gebaut und beim Anfahren "rammelt" sich ein großer Lkw fest. Bis die Bauarbeiter mitbekommen, dass der Verkehr steht, vergeht bald eine halbe Stunde. Dann leisten sie Schützenhilfe und ziehen ihn aus dem "Loch".

Am Dukla-Pass herrscht ebenfalls rege Bautätigkeit, uns ist allerdings der Zweck nicht klar. Als wir weiter nach "Slowakien" hinein rollen, wird immer auffälliger, dass die Gebiete an der europäischen Ostgrenze nicht gerade mit Fördergeldern überschüttet wurden, vielleicht sind die Gelder auch in anderen "Töpfen" gelandet.

 

          

 

Über Ubla kommen wir an die Grenze zur Ukraine. Auf slowakischer Seite werden wir von zwei interessierten jungen Damen kontrolliert und nach zehn Minuten sind wir bei den ukrainischen Kollegen. Mit Händen und Füssen fragen sie uns, ob wir im Besitz von Waffen oder Drogen sind, was wir selbstverständlich verneinen. Beim Grenzübertritt hat es eine Änderung gegeben, der Einreisezettel wurde gsd abgeschafft.

Vollkommen korrekt sind wir nach einer Viertelstunde abgefertigt.

Auf holperiger Strasse geht es nach Perechin, wir halten, um in einer Bank Geld zu tauschen. Die Bank wird durch einen Sicherheitsposten bewacht, der Chris Einlass gewährt, nachdem sie ihm verständlich gemacht hat, dass sie Geld wechseln möchte.

   

          

 

Von Perechin fuhren wir schon beim ersten Karpatenaufenthalt Richtung Osten und gelangten so durch die Berge über Swaljava nach Volovets. Der Tag nähert sich dem Ende und wir beschließen oben auf der Passhöhe gegenüber der Gasstation ein Plätzchen für die Nacht zu suchen. Es wird langsam dunkel und die Menschen, die in den umliegenden wilden Gärten/Feldern gearbeitet haben, kehren nun heim. Befremdlich wird es, als wir in völliger Dunkelheit Pferdegetrappel hören und 2 Kutschwagen langsam an uns vorbei den Berg hinunter fahren! Irgendwann herrscht dann Ruhe und wir sind scheinbar allein. Jetzt müssten nur noch die Wölfe anfangen zu heulen....

 

             

 

Tkm: 318

Ü: 0 €

 

 

Vierter Tag

 

10.09.2011

 

Als wir um sieben Uhr wach werden, kommt schon ein Mercedes Sprinter über die Wiese und setzt die ersten Feldarbeiter neben uns ab. Uns fällt ein, dass wir die Uhr noch nicht vorgestellt haben, hier ist es ja jetzt schon acht Uhr. Während des Frühstücks können wir verfolgen, wie immer mehr Menschen zur ihren in der Nähe liegenden Gärten/Feldern gelangen.

 

                       

 

                                                  

 

Für uns geht es abwärts nach Volovets und weiter in Richtung Mischgirja, über den Pass, vorbei an dem Abzweig zum Synevyr. Die Strecke zieht sich und wir versuchen, zu erkunden, ob die Verbindung zwischen Kolochava und Komsomolsk vielleicht doch passierbar geworden ist. Nach den ersten 5 km auf sehr gut ausgebauter Dorfstraße müssen wir schließlich doch umkehren und biegen auf die "Straße" entlang der Tereblia ab. Der Weg ist im exakt gleichen Zustand, wie schon bei unserer ersten Reise 2006 (zum Teil nur Schotterpiste).

 

         

 

Am Stausee vorbei führt die Strecke über Dragovo nach Neresnitsia, wo wir dann nach Norden ins Tereswar-Tal abbiegen. Auch hier hat der Fluss an einigen Stellen deutlich gemacht, mit welcher Wucht er zuschlagen kann und es ist nur eine Frage der Zeit, bis wieder ganze Straßenteile weggespült werden.

 

         

 

Am frühen Nachmittag erreichen wir Ust-Chorna und die Freude über das Wiedersehen ist groß. An den Kindern und am Großvater lässt sich die Entwicklung der letzten 2 Jahre erkennen. Der Großvater lebt seit einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen bei unseren Bekannten.

 

        

 

Nach dem nachmittäglichen Kaffee brechen wir zu einer Dorfrunde auf und hoffen, die Großmutter zu Hause anzutreffen. Fehlanzeige, sie ist sicher schon in der Kirche. An der Brücke biegen wir auf die Straße nach Lopuchovo ab und gelangen zum neu ausgebauten Touristenkomplex "Burkut". Hier soll es Quads zu mieten geben, wonach wir uns erkundigen wollen. Wir telefonieren mit Nicolai, dem Inhaber, der gerade in Deutschland ist, und vereinbaren, dass Valentin die Einzelheiten mit dem Verwalter vor Ort (der kein deutsch spricht) klärt. Hier hat sich ganz schön was getan!

 

         

                                                                                                          

                                                                                                                  

 

Auf dem Rückweg trinken wir noch einen Espresso im Café.

 

Tkm: 170

 

Fünfter Tag

 

11.09.2011

 

Heute ist Sonntag, genau vor 10 Jahren geschah der Anschlag auf die Twin Towers in New York!

Nach dem Frühstück wollen wir in diesem Jahr zum ersten Mal am Gottesdienst in Valentins Freikirche teilnehmen. Wir lernen Aljona und Vasya kennen und treffen auch Artur (der Wanderführer aus 2009) und seine Frau. Jeder kann sein Gebet, seine Wünsche laut vortragen oder auch "Zeugnis ablegen". Es wird viel gesungen und 3 Männer, unter ihnen auch Valentin, predigen und erzählen. Wir verstehen so gut wie nichts, Aljona übersetzt ein wenig, sie spricht sehr gut englisch. 

 

         

 

        

 

                                                                                                            

Mittags sitzen wir alle "u kuchni" trinken Tee und essen Süßes. Elisabeth ist auch da, sie besucht ihren Franz und wir versuchen mal wieder ein wenig ukrainische Vokabeln zu lernen, "po ukrainske".

 

Am Nachmittag unternehmen wir eine kleine Wanderung, gehen die Dorfstraße hinunter, bis wir zu einer  Brücke kommen, über die wir auf die andere Flußseite gelangen. Wir sind jetzt auf dem alten Bahndamm, was wir an den noch teilweise vorhandenen Holzschwellen erkennen können. Geplant ist, bis zur Hängebrücke weiter unten im Tal zu marschieren, um dann auf der Straßenseite wieder nach Ust-Chorna zurück zu gehen. Schon bald stellen wir fest, dass der Bahndamm vollkommen weggespült und ein Weiterkommen im Flußbett unmöglich ist. Also geht es auf demselben Weg wieder zurück zum Dorf.

 

         

                               

Gerade als wir auf die Straße treten, kommen uns Aljona und Vasya entgegen gefahren. Sie halten und laden uns ein, sie in ihrem Heimatort Chust zu besuchen.

 

                                                  

 

Später sitzen wir noch ein bisschen mit den Kindern vor dem Haus, vor dem Abendessen statten wir Franz noch einen Besuch ab und berichten ihm, was wir heute erlebt haben.

 

Tkm: 10

 

Sechster Tag

 

12.09.2011

 

Um sieben Uhr klingelt der Wecker, zum Frühstück um halbacht schaffen wir es gerade so. Für heute hat Valentin bei Josef, dem Inhaber eines Cafés, der Bäckerei und einer Pension, eine Fahrt mit dem "Allradtaxi" in die Berge organisiert.

 

 

Zum Treffpunkt um neun Uhr gehen wir ca. 15 min. zu Fuß. Als wir ankommen, sagt uns Josef (der sehr gut deutsch spricht), dass es bis zur Abfahrt noch ein wenig dauern kann. Im Café "Tatjana", das nach Josefs Tochter benannt ist, gibt es erstmal einen Kaffee und wir erfahren, mit wem wir die Reise unternehmen werden: Es ist ein Paar aus Kiew - Anja und Andrej - und Mischa aus Dnipropetrowsk. Zunächst sind wir alle etwas zurückhaltend, es hapert halt an der Sprache.

    

Bald heißt es "Aufsitzen" und wir steigen hinten in die aufgesetzte Kabine, zusammen mit Vitali, dem "Bergführer", super durchtrainiert, Josef sitzt am Steuer. Als Josef auf den Friedhofsweg abbiegt, wird uns klar, welchen weiteren Verlauf die Fahrt nehmen wird. Vor einigen Jahren waren wir diesen Weg zu Fuß gegangen und wir erinnern uns nur zu gut an die Steigungen. Schon nach wenigen Kurven stoppt Josef das Fahrzeug. Wir erfahren, dass  das Suppenfleisch vergessen wurde und jemand es uns hinterher bringen wird. Vitali sprintet downhill. Nach ca. 15 min. kommt jemand mit dem Fleisch aus dem Wald - aber wo ist Vitali? Nach kurzer Zeit kommt auch er im Laufschritt wieder auf die Lichtung - die beiden haben sich leider verpasst.

    

 

Weiter gehts! Steigungen, die teilweise jenseits der 45° liegen, Kurven, die nicht in einem Zug durchfahren werden können und Geholper, dass es uns von den Sitzen hebt.  Zum Glück kommt uns keiner entgegen, doch es gibt noch einen kurzen Halt, wo eine Mitarbeiterin von Josef zusteigt. Nach einer guten halben Stunde erreichen wir die Alm, wo der Senner mit seiner Frau die Sommermonate verbringt. Josef liefert die bestellten Sachen ab. Wir steigen ebenfalls aus und der Senner spielt uns etwas auf seiner Trembita vor. Wir dürfen es auch mal versuchen und die Männer bringen immerhin ein paar Töne heraus. Dann folgt das Peitschenknallen, aber hier haben wir keinen Erfolg.

    

Es geht mit dem Wagen noch ein Stück weiter nach oben, wir fahren bis kurz unter die nächste Bergkuppe, alle, außer Hartmut, steigen aus und müssen die letzten Meter zu Fuss machen. Er darf mit rauffahren!

 

         

 

Als Josef mit dem Wagen nach unten fährt, erreichen wir die Kuppe und genießen die Aussicht. Vitali erklärt die Umgebung, einige seiner Erklärungen können wir deuten. Schon bald machen wir uns an den Abstieg zu Josefs Ski-Hütte, die er unweit der Sennerhütte vor wenigen Jahren gebaut hat und die über mehrere Schlafplätze verfügt.

 

         

 

Als wir dort ankommen, wird Vitali von Josef zum Pilze sammeln losgeschickt. Binnen kürzester Zeit kommt er mit einer gut gefüllten Tüte zurück. Josef und seine Küchenhilfe haben schon den Suppenkessel über dem Feuer. Nicht mehr lange und der Eintopf kann serviert werden. Bevor es ans Essen geht, nehmen Josef und Vitali noch eine Dusche unter der Naturbrause. Bei angenehmen Temperaturen genießen wir die Wartezeit auf das Essen. Als die Suppe auf den Tellern verteilt ist, gibt es den ersten Wodka plusTrinkspruch von Josef. Nach dem Eintopf gibts wieder Wodka plus Trinkspruch, Kartoffeln mit Speck aus dem Feuer, TS + Wodka, kleine Weißbrotscheiben mit gebratenen Pilzen und Zwiebeln, sehr lecker, w. TS + W., zum Schluss noch eine Kostprobe der Kartoffelpuffer von der Sennerin. Der restliche Eintopf wird in eine russische Militär-Thermobox umgefüllt. Sie wird später in der Kneipe verkauft werden.

 

         

 

Bevor wir ins Tal hinunterfahren, lassen wir noch 2 LKWs mit Waldarbeitern passieren, leider haben wir diesmal unterwegs Gegenverkehr und das Rangieren erfordert einiges an fahrerischem Können, doch Josef meistert die Situation souverän. Unten angekommen, lädt er uns zum Bezahlen noch in sein Lokal ein, um typisch Wodka mit Milch (?) zu trinken, es gibt noch diverse Gründe, einen Trinkspruch auszubringen. Nach einer Weile fragt uns Josef, ob wir seine Pension sehen möchten und bevor es dunkel wird, brechen wir zu einem Spaziergang auf. Wir sind vom Standard der Pension sehr angetan.

    

 

Wieder zurück im Café holt Josef noch selbstgemachten Samochonka aus Zwetschen und mit der Verständigung wird es immer besser. Wir erfahren, dass Anja und Andrej gerade in den Flitterwochen sind und dass Mischas Frau mit den Kindern hier im Ort im Hotelzimmer sitzt.

Es wird Zeit, dass wir nach Hause kommen und Josef lässt es sich nicht nehmen, uns mit seinem VW-Bus zu fahren. Vor dem Haus trinken Hartmut und Mischa noch "Brrruderschaft", Völkerverständigung par excellence.

    

 

 

Siebter Tag

 

13.09.2011

 

Beim ersten Wachwerden machen sich die Auswirkungen der "Völkerverständigung" bemerkbar, also drehen wir uns nochmal um und schlafen noch eine Runde. Nach dem Frühstück sitzen wir in unserem Zimmer und blättern in einem Bildband von Hans Kumpfmüller "Vergessene Österreicher", den österreichische Gäste hier vergessen hatten. Als wir Valentin darauf ansprechen, zeigt er uns noch ein weiteres Buch, "Stimmen aus dem Tereswar-Tal" von Kurt Druckenthaner. So verbringen wir den Vormittag mit Lesen und Tagebuchschreiben.

    

Am Nachmittag besuchen wir Valentins Mutter Elisabeth. Im Hof sitzen Paul und Lisa und entsteinen die Zwetschen, die dann anschließend von der Oma durch den Fleischwolf gedreht und 2 Tage auf dem Feuer zu Zwetschenmus gerührt werden.

Wir wollen uns noch ein wenig die Beine vertreten und gehen bis zum Wasserfall am Waldrand.

 

         

 

 

Achter Tag

 

14.09.2011

 

Heute ist der 59. Hochzeitstag von Franz und Elisabeth. Sie kommt vorbei und wir gratulieren den beiden zu diesem Anlass.

 

Um neun Uhr starten wir zu einer Wanderung nach Jablunica. Kurz vor Lopuchovo (Brustury), dem idyllischen Bergdorf biegen wir rechts ab. Es ist ziemlich heiß beim Aufstieg, gsd spenden Häuser und Bäume gelegentlich Schatten. Auf der Suche nach einer Einkehrmöglichkeit, müssen wir bald feststellen, dass die hier nicht zu finden ist. Wieder auf der Hauptstraße gehen wir ca. 1,5 km bis Lopuchovo, da wir wissen, dass es dort gleich am Anfang ein Geschäft gibt.

 

        

 

Der Himmel fängt an, sich zu beziehen, doch zum Glück gelangen wir trockenen Fußes wieder nach Ust-Chorna zurück. Der Regen kommt dann heftig mitten in unserer letzten Nacht.

 

    

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