Zweiter Teil – Montenegro/Albanien/Mazedonien/Bulgarien                                                                                                                      

 

                (Musik aus Albanien: KABA PERMETARE LBARIU)

 

Neunter Tag

 

18.06.2009    Molunat (HR) – Bushat/Barbullush (AL)

 

Um Viertel nach Zehn sind wir abreisefertig und verlassen den kleinen CP in Richtung montenegrinischer Grenze. Der Weg bis dorthin ist nur kurz und man empfängt uns mit der Abgabe einer Ökosteuer in Höhe von 100 Kuna. Über Herceg-Novi fahren wir in die Bucht von Kotor ein.

 

          

 

 

 

Noch sehen wir die Bucht vom Ufer aus, auch hier sind die Ausblicke schon fantastisch, als wir dann Kotor hinter uns lassen und in das Naturschutzgebiet Lovcen auf 1000 m hinauffahren wird die Übersicht nach jeder Kehre besser.

 

          

 

Nach dem Bukovica-Pass geht es abwärts nach Cetinje und weiter nach Podgorica.

 

         

 

         

 

 

Hier ist die Ausschilderung zur albanischen Grenze nicht wirklich gut, so dass wir eine Ehrenrunde durch das Stadtzentrum drehen. Ein reger Verkehr herrscht auf der Verbindungsstraße zwischen Montenegro und Albanien. Die ersten albanischen Mercedes Benz kommen uns entgegen. Schon bevor wir den Grenzübergang erreichen, nehmen wir Blick auf den Skutari-See. Die Einreise nach AL gestaltet sich vollkommen unkompliziert, nur ein Dokument für das Auto ausfüllen und schon kann’s weitergehen. Die Grenzer sind sehr freundlich. Die Straßen sind durchwachsen, aber kein Problem. Sofort sticht einem der viele Müll, der an den Straßenrändern liegt ins Auge. In Koplik halten wir und wollen Geld tauschen, aber die Bank hat geschlossen. Im Café nebenan spricht jemand etwas englisch und managt für uns, dass wir zwei Kaffee und Wasser bekommen. Kurz nachdem er das Lokal verlassen hat, steht er wieder in der Tür und weist uns darauf hin, dass wir das Auto auf der anderen Straßenseite parken sollten, um möglichen Problemen mit der Polizei aus dem Weg zu gehen. Im Lokal haben wir dann noch die Möglichkeit, Geld zu tauschen.

 

 

Die Menschen sind wirklich hilfsbereit, entgegenkommend und freundlich. Um zu dem CP Bushat/Barbullush zu gelangen, passieren wir Shkoder. Der CP, den eine holländische Entwicklungshelferfamilie im letzten Jahr hinter ihrem Haus eingerichtet hat, ist gut ausgeschildert.

Nur ein holländisches Pärchen mit Zelt und Motorrad kampiert auf der baumlosen Wiese. Bei unserer Ankunft sitzen sie in der Einfahrt, wo ein wenig Schatten zu erhaschen ist. Beide sprechen gut deutsch und so können wir die ersten Eindrücke austauschen, die wir später beim gemeinsamen Abendessen auch mit den Wirtsleuten noch vertiefen.

 

         

 

         

 

Tkm: 227

Ü: 12 €

 

Zehnter Tag

 

19.06.2009    Barbullush – Shëngjin - Lezhë – Rubik – Barbullush

 

Unsere Nachbarn sind schon fertig mit dem Frühstück und bauen ihr Zelt ab, sie wollen weiter nach Mazedonien. Eine Weile später brechen auch wir auf, um das Umland zu erkunden. Zunächst geht es nach Shëngjin, wo wir das beginnende Strandleben beobachten können. Wir verfolgen die Buckelpiste, die parallel zum Strand verläuft, kehren aber bald um und nehmen die „Touristenzone“ Talle in Augenschein, die noch im Dornröschenschlaf liegt. In der Lagune treffen wir auf ein paar martialisch anmutende Bunker aus der Hodxa-Ära.

 

         

 

         

 

Als wir wieder auf der Hauptstraße sind, hat sich dort ein Verkehrsunfall ereignet und zahlreiche Polizisten befinden sich im Einsatz. Das Chaos löst sich nur langsam auf und wir setzen unseren Weg gen Osten fort.

 

         

   

Wir fahren ein Stück auf der neu entstehenden Autobahn Richtung Kosovo. Müssen allerdings vor Rubik auf die alte Straße zurück und entschließen uns, im Ort eine Kaffeepause einzulegen. Nachdem wir unseren Kaffee bekommen haben, hält draußen ein Wagen (Mercedes, was sonst?!) und ein Mann betritt das Café. Schon nach kurzer Zeit kommen wir mit ihm ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass er mal in Deutschland gearbeitet hat. Eine ganze Weile unterhalten wir uns und als wir unsere Rechnung begleichen wollen, wird dies vom Wirt abgelehnt – nichts zu machen, wir sind eingeladen. Wir bedanken uns mit einem kleinen Geschenk. Die Gastfreundschaft in diesem Land ist allgegenwärtig - aufgrund der noch in vielen Landesteilen bestehenden Armut ist hier jedoch Zurückhaltung angebracht!

 

         

 

Weiter geht’s über Serpentinen, durch atemberaubende Landschaften, aber atemberaubend sind auch manche Verkehrssituationen.

 

         

 

         

 

         

 

Wir kommen auf die Verbindungsstraße zwischen Shkoder und Kukës und biegen Richtung Shkoder ab. Gegen halb acht sind wir wieder am CP, wo die Einweihung der sozialen Einrichtung für ältere Menschen stattgefunden hat (unterstützt von NL-Klöstern). Die Wirtsleute leben seit fünf Jahren im Land und unterstützen hier den Ausbau von sozialen Einrichtungen. Inzwischen hat die Party für die jungen Helfer, die beim Bau mitgearbeitet hatten, begonnen. Zu albanischer Popmusik wird bis Mitternacht getanzt und auch wir sind zum Mitfeiern eingeladen.

 

         

 

Tkm: 233

Ü: 12 €

 

11. Tag

 

20.06.2009 Barbullush – Tirana – Elbasan – Ohridsee (Hudenisht)

 

Heute sind wir früh auf den Beinen, wir starten gegen Viertel nach Acht. In Bushat kaufen wir ein und genehmigen und zwei von diesen leckeren albanischen Mokka/Espresso.

 

          

 

Durch Tirana führt uns unsere „Else“ gut. Der Verkehr ist der glatte Wahnsinn, wie von Geisterhand gelenkt, passieren keine Unfälle, im Gegenteil, als wir an einer heiklen Stelle umdrehen müssen und den Verkehr aufhalten, gibt es kein Hupkonzert. Am Ortsausgang halten wir an einem Berg, um uns das Denkmal am Heldenfriedhof anzuschauen und einen Blick über die Stadt zu haben. Dort treffen wir auf ein Paar aus Würzburg, die mit ihrem T3 Camper unterwegs sind. Natürlich werden auch hier Erlebnisse ausgetauscht, die durchweg positiv sind.

 

 

         

 

         

 

Weiter nach Südosten. In Elbasan fällt unser Blick auf ein riesiges Stahlwerk, in dem früher die Erze aus der Nähe des Ohridsee verarbeitet wurden. Zahlreiche Kurven und schöne Landschaften bestimmen die Fahrt. Bei Librazhd Stopp für einen Kaffee. Nach der Überquerung des Passes bei Përrenjas eröffnet die Talfahrt den Blick auf den ältesten See Europas, den Ohridsee.

 

         

 

 

           

 

 

          

 

Von Freunden wissen wir, dass sich im unteren Drittel ein CP direkt am See befindet. Ein riesiger Torbogen bildet die Einfahrt. Simon, der Wirt, stellt sich vor, auf deutsch, englisch und italienisch und zeigt uns die Campingwiese hinter dem Restaurant. Hier wird Fischzucht betrieben, Forellen und Koran, eine spezielle Forellenart, die es wohl nur hier gibt.

 

          

 

Wir haben Hunger und sichern uns einen der drei Tische im Restaurant (es gibt noch eine Dachterrasse, aber das Wetter ist grad nicht so einladend). Der Rest des Lokals ist von einer kleinen Geburtagsgesellschaft (2 Pärchen) in Beschlag genommen. Einer der jungen Männer feiert seinen 30. Geburtstag. Er hat 10 Jahre in England gelebt, dementsprechend gut ist sein Englisch. Der Kollege hat noch etwas Schuldeutsch auf Lager, kann sich aber gegen den Gastgeber nicht durchsetzen. Wieder eine Möglichkeit, um einiges über das Leben in Albanien zu erfahren. Später wird auch hier wieder zu albanischer Popmusik albanisch getanzt (eins, zwei, drei, hoch das Knie, immer im Kreis, Hand in Hand).

 

         

 

Als wir die Party verlassen, hat sich mittlerweile ein französischer T4 mit einem älteren Ehepaar aus Paris zu uns gesellt. Die beiden genießen gerade ihr Abendessen. Schnell ist ein Gespräch angefangen (französisch und englisch). Die Stühle werden herangerückt und der Abend geht unterhaltsam weiter.

 

          

 

 

Tkm: 230

Ü: 8 €

Essen: 22 €

 

 

12. Tag

 

21.06.2009 Pogradec/Ohridsee

 

Heute geht es mit Fahrrad am See entlang bis nach Pogradec. Der Himmel lässt eine Wetterveränderung erahnen. Wir haben vorsichtshalber die Regenjacken im Gepäck. Fischverkäufer bieten ihre Ware an der Straße am Seeufer an. In der Stadt ist alles auf den Beinen und wir drehen eine Runde an der Strandpromenade.

 

          

 

Junge Paare flanieren, alte Herren sitzen, reden, spielen Karten oder Domino und wir mittendrin. Im Zentrum schieben wir unsere Fahrräder durch die engen Gassen des Basars. Auf dem Hauptplatz findet sich gerade eine albanische Hochzeitsgesellschaft ein und wir beobachten das Treiben.

 

         

 

          

 

Gegen Mittag beginnt es zu regnen, wir fragen uns durch und finden schließlich eine Pizzeria in der Nähe der Strandpromenade, die sich inzwischen geleert hat. Wir essen gut und müssen leider feststellen, dass der Regen nicht aufhören will. Also, Regenjacken an und zurück zum CP. Dort angekommen sehen wir die Bescherung: Das Fenster vom Faltdach war nicht verschlossen. Zum Glück ist nur wenig Wasser ins Innere gelangt. Später kommt wieder die Sonne durch und 2 polnische Motorradfahrer aus Gdansk/Danzig auf dem Platz an. Später sitzen wir gemeinsam auf der Dachterrasse bei einigen Raki. Von Simon, dem Wirt, erhalten wir noch eine CD mit albanischer Popmusik.

 

In der Nacht tobt ein heftiges Gewitter zwischen den albanischen und mazedonischen Bergen, die den See umrahmen, hin und her. Es regnet stark und wir machen lieber unser Dach zu (was auch Hartmuts Brille unbeschadet übersteht).

 

  

Tkm: 18

Ü:  8 €

 

 

13. Tag

 

22.06.2009 Ohridsee (Hudenisht)/AL – Rila/BG

 

Nach unserem Frühstück gehen wir bezahlen, werden von Simon und seiner Frau zu Cappucino eingeladen und bekommen noch eine Flasche selbst gemachten Wein mit auf den Weg. Eigentlich ist es schade, dass wir schon weitermüssen, aber im nächsten Jahr kommen wir wieder.

 

       

 

                                                  

 

Wir fahren am Ohridsee entlang zur albanisch-mazedonischen Grenze. Die Albaner knöpfen uns 21 € Straßenbenutzungsgebühr ab, eigentlich ein bisschen viel, aber wir wollen keinen Stress. Der mazedonische Grenzbeamte freut sich und überreicht uns gleich Infomaterial von der Umgebung. Auch dieses Ländchen ist bestimmt noch mal eine Reise wert. Die Landschaft ist sehenswert, der Blick von oben auf den Ohridsee traumhaft. Auf der anderen Seite der Berge liegt der Prespa-See, ein bisschen verwunschen, ein Schiffswrack rostet am Ufer vor sich hin.

 

          

 

    

 

Die Orte im Landesinneren sind trist, noch trister ist das Wetter. Manchmal ist die Atmosphäre fast unheimlich. Das Tief mit Sturm und Regen verfolgt uns bis Bulgarien.

 

         

 

            

 

Hier an der Grenze lotst uns ein Deutsch-Grieche durch den komplizierten Ablauf. Nach 40 km Schnellstraße geht es noch 30 km hoch in die Berge bis zum Rila-Kloster. Nach bulgarischer Zeit kommen wir um halbzehn auf dem CP „Zodiac“, 2 km hinter dem Kloster an. Im Dunkeln und bei Regen war er nicht leicht zu finden.

 

     

 

Endlich hört es auf zu regnen. Im Lokal bekommen wir noch etwas zu essen, Gurken mit dem berühmten bulgarischen Joghurt, Dill und Oliven.

 

 

Tkm: 403

Ü:  10 €

Essen: 15 €

Frühstück: 8,50 €

 

 

 

 

14. Tag

 

23.06.2009 Rila/BG – Koprivschtiza/BG

 

Heute strahlender Sonnenschein .Das Rila-Kloster liegt eindrucksvoll in einem Tal zwischen den knapp 3000 m hohen Bergen der Rhodopen. Der Eintritt ist frei, überall wird restauriert. Die Besucherzahl hält sich in Grenzen, ist jedoch international.

 

 

           

 

                                  

 

           

 

Der Reiseführer verspricht, dass der Ort Koprivschtiza ein urtümliches und intaktes Ortsbild bietet. Um dorthin zu kommen, müssen wir durch die bulgarische Hauptstadt Sofia durchqueren. Zum Glück unterstützt uns unsere „Else“ mal wieder, so dass Zeit für Seitenblicke übrig bleibt.

 

         

 

     

 

Auf einen Halt verzichten und orientieren uns gen Osten, auf der Straße Nr. 6, die nach 400 km bei Burgas am schwarzen Meer endet. Bei km 70 fahren wir in südlicher Richtung ins malerische Koprivschtiza. Hier werden die Berge des „Stara Planina“ (Balkan) wieder etwas höher, ca. 1600 m.

 

Nachdem wir unser Quartier im Family-Hotel „Kalina“ bezogen haben, machen wir einen ausgedehnten Spaziergang durch den Ort und bannen unsere Eindrücke digital. Den Abschluss des Tages bildet eine opulente Balkanpfanne, die heiß dampfend serviert wird, und ein paar kühle Bierchen.

 

          

 

            

 

     

 

 

Tkm: 229

Ü/F:  58 Lewa

 

 

15. Tag

 

24.06.2009 Koprivschtiza/BG – Belogradschik/BG

 

Einziger Lichtblick beim Frühstück ist die Unterhaltung mit Derek und Anita aus Oregon, einem älteren Ehepaar, welches sich gerade auf einer Balkanrundreise befindet.

 

    

 

Haben die Rosen schon geblüht? Wir wissen es nicht genau und wollen nachschauen. Also, zurück auf die Straße Nr. 6 und weiter gen Osten bis Karlovo. Die Rosen scheinen schon geerntet zu sein. In Karlovo schauen wir uns ein wenig um und bekommen einen übersüssten Pulverkaffee, na ja da waren wir mal reingefallen.

 

            

 

Schon beim Durchfahren des Rosentals war uns ein großer Torbogen in den nördlichen Bergen aufgefallen. Das wollen wir uns genauer anschauen und biegen bei Kamare nach Norden, Richtung Trojan, ab. Nach jeder Kurve wächst der „Trojan Prohod“. Auf ca. 1600 m stehen wir genau unter dem „Torbogen“, geschätzte 20 m hoch.

 

           

 

Nun geht’s wieder abwärts. Wir fahren durch Trojan, Belogradschik ist unser Ziel. Auf dem Weg dorthin, bei Lyutbrod machen wir einen Abstecher zu den Felsen von Rititle. 

 

        

 

Über Vratsa und Montana erreichen wir am Abend Belogradschik, eine Stadt, die auch schon bessere Zeiten gesehen hat – wir wir am nächsten Tag erfahren, liegt die Industrie hier brach. Wir finden per Zufall eine gute Übernachtungsmöglichkeit, das Gästehaus „Primaver“, gehört einem Schweizer. Bei unserem abendlichen Spaziergang finden wir ein nettes Lokal und speisen vorzüglich. Aufs Kochen verstehen sich die Südosteuropäer allemal.

 

 

Tkm: 434

Ü:  40 Lewa

 

 

16. Tag

 

25.06.2009 Belogradschik/BG – Mehadia/RO

 

Ohne Frühstück geht es auf die Festung, zum Glück ohne Regen. In die Felsen bzw. die bizarren Sandsteinformationen mit Kieseinlagerungen wurde eine Festungsanlage integriert. An der Kasse lernen wir Marousia kennen, die Kartenverkäuferin, sie fragt uns, ob wir ein Zimmer brauchen. Das nicht mehr, aber wir erfahren so einiges über die „Blütezeit“ des Ortes, als es noch Arbeitsplätze gab und, dass sie einige Jahre in Deutschland gelebt hat. Uns übermannt der Hunger und wir streben ins Zentrum, wo wir einen Platz in einem gut besuchten Imbiss ergattern (Kneipchen à la Bulgaria, aber gemütlich).

 

         

 

          

 

 

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