RO 2006 Bella Romania

Was wußten wir von jenem Land, dass am 01.01.2007 Mitglied der Europäischen Union wurde? Begriffe wie Graf Dracula und sein Transsylvanien, Siebenbürgen und seine Sachsen, Sinti und Roma, Bären und Wölfe in den Karpaten, der Conducator und sein menschenunwürdiges System, von denen hatten wir gehört.

Den Grafen trafen wir nicht, dafür aber Nachfahren der Siebenbürger, mit Sinti und Roma machten wir unsere Erfahrungen, auf Bären wurden wir nur durch Schilder hingewiesen (gsd). und Ceaucescu ist seit 1989 tot!

Natürlich ist Rumänien noch nicht vergleichbar mit westlichen Industrienationen, es ist ein Land im Aufbruch, gute Ideen werden erfolgreich umgesetzt, einerseits boomt die Wirtschaft, andererseits leben die Menschen als Selbstversorger auf dem Land in sehr einfachen Verhältnissen, Handy und Computer sind jedoch auch hier verbreitet. 

Uns gefiel dieses Land, obwohl wir wissen, dass nicht alles Gold ist, was in "Rosia" abgebaut wird.

Unsere Route durch Rumänien

 

RO 2006 Maramuresch

21.06.06

 Wir haben den ukrainischen Grenzpunkt passiert, vor der Einreise nach Rumänien: Desinfektion des Autos, kostet uns schlappe 5 € und es wird nicht mal sauber! Eine Frau soll jetzt unser Auto kontrollieren, aber sie sieht, dass wir Touristen sind und so können wir passieren. Noch kurz in den Duty Free Shop und dann müssen wir ein Billet erwerben, um die "Straßen" in Rumänien befahren zu dürfen, 4 € für dreißig Tage.

Eine Betonpiste wartet auf uns, ohne nennenswerte Schlaglöcher, aber dadang dadang, wie in der Eisenbahn. Über Turulung gelangen wir auf die E 81 in Richtung Livada. Ein größerer Ort, der südliches Flair versprüht. Zum Prislop-Pass geht es auf einer guten Fahrbahn hinauf, die Sonne scheint durch den Buchenwald. Oben machen wir eine Picknick-Pause. Gut gestärkt für die Abfahrt, die sich als katastrophal erweist.

Wir kommen nach Certeze und dann nach Huta Certeze, wieder etwas höher in den Bergen, scheint eine Art Villenvorort zu sein. Wir nennen es "Edelstahl-Certeze", Zäune, Tore, Geländer, alles in VA.

Bei Teceu Mic erreichen wir die Theiß und blicken hinüber in die Ukraine, nach Tiachiv, von wo wir kamen.

 

Es ist nicht mehr weit bis Sapanta und dem "lustigen" Friedhof. Dort hat ein Künstler die Holzkreuze mit Bildern und Geschichten verziert, die das Leben der Verstorbenen charakterisieren. Leider können wir die Zeilen in rumänisch nicht verstehen.

In der Sommerhitze kehren wir in einer kleinen Bar ein und genehmigen uns ein Bier. Rund um den Friedhof und die Kirche verkaufen Einheimische Souveniers.

In Campulung La Tisa schauen wir noch einmal über die Theiß nach Teresvar in die Ukraine. Zwei Jungen, denen wir im Vorbeifahren gewunken hatten, kommen angerannt. Wir geben ihnen Bonbons uns dürfen ein Foto von ihnen machen.

Wir erreichen Sighetu Marmatiei.

Beim Hinausfahren finden wir unsere "Lieblingsunterkunft": eine Agroturistika-Pension bei M. dem "Schweinepriester", da -wie sich später herausstellt - der Mann nicht nur Bauer sondern auch Priester (griechisch-katholisch und daher auch verheiratet) ist. Zwei Töchter, 15 und 17, dolmetschen die Unterhaltungen in englisch. Für 35 € bekommen wir ein schönes Zimmer, Abendessen und Frühstück ist inbegriffen. M. zeigt uns seinen kleinen Hof mit 2 Schweinen, 1 Kuh und erzählt uns von seinen Reisen nach Indien und Deutschland, sowie von seinen Kirchen in den beiden Nachbarorten.

H. sieht auch noch sein "Priesterzimmer" und wir bekommen 2 Bilder der Mutter Gottes und 2 Münzen mit Gottes Segen für unsere weitere Reise.

Tagesstrecke: 240 km

 

22.06.06

Am Morgen starten wir in Richtung Baia Mare. Auf dem Weg besichtigen wir eine der Holzkirchen, in denen M. tätig ist.

 

Bei der Fahrt über den Gutai-Pass stellen wir fest, dass uns wiederum die Abfahrt schlechtere Straßenverhältnisse beschert. Kurz vor Baia Sprie entdecken wir einen Steinbruch, wir versuchen, hineinzufahren, kommen aber nicht weit. In diesem muß sehr eisenhaltiges Wasser entspringen, da die Steine im Fluss rostbraun gefärbt sind.

 

der schiefe Turm von Baia Sprie

In Baia Sprie, einem Touristenzentrum, tauschen wir Geld. Die vielen Bauten aus der Ceaucescu-Ära sehen nicht besonders hübsch aus. Talabwärts geht es dann weiter nach Baia Mare, dem Industriezentrum der Region. Viele Bauten liegen brach. Im Umland sind die früheren Zeiten zu erahnen (Industrieruinen).

 

Der Stadtkern bietet einige nette Eindrücke. Aus der Stadt heraus versuchen wir eine Abkürzung zu nehmen, passieren den "Knast"

 

und gelangen auf einen ziemlich üblen Feldweg. Wir hoffen, nicht umdrehen zu müssen und gsd erreichen wir bald wieder eine "normale" Straße, Bistrita ist unser Ziel.

Vor uns taucht plötzlich ein Zigeunerwagen auf, eine junge Zigeunerin mit einem Kind auf dem Arm geht die Straße entlang, dann sehen wir ein Zigeunerlager am Straßenrand, Bretterverschläge, notdürftig mit  Plastikfolien abgedeckt!!!


 alte Kalkbrennöfen

Unsere Route geht weiter über den Industriestandort Dej und wir gelangen nach Bistrita. Hier angekommen, unternehmen wir einen Stadtbummel. Ein sympathisches Städtchen.


"hab mein' Wagen vollgeladen!!!"

Über den Tihuta-Pass fahren wir nach Vatra Dornei, ein Kurort am Anfang der  Bukowina. Die Landschaft über den Pass ist wunderschön, mit Bergwiesen und Weiden, wie überhaupt die Landschaften, die wir durchfahren haben, von einmaliger Schönheit sind.

 

In Vatra Dornei finden wir ein Zimmer in einem ordentlichen Hotel an der Hauptstraße. Später gehen wir ins Zentrum und genießen unser Abendessen (Pizza und traditionellen Maisbrei) in einer warmen Sommernacht in der Fußgängerzone.

 

abends in Vatra Dornei

Tagesstrecke: 312 km

RO 2006 Vatra Dornei-Campulung


23.06.06

Am nächsten Morgen (der Himmel ist bedeckt) geht es ohne Frühstück aus dem Hotel. Ein Pulvercappucino im Straßencafé! Wir planen die heutige Tour bzw. die ungefähre Richtung der nächsten Tage (wir haben nur noch ca. 1 Woche). Wir fahren zuerst ins Neagra-Sarului-Tal, wollen auf 2000 m hinauf.

Improvisationskunst

Kurz hinter Gura Haitii ist allerdings die Weiterfahrt verboten. Wir nehmen einen freien Waldweg, der jedoch ins Nirwana führt. Wir drehen um, es beginnt zu regnen, heftig, wie zuletzt in Polen, im Bieszczady.

Wir fahren jetzt im Bistrita-Tal hinab und nähern uns dem Lacul Izvorul Muntelui.

manchmal der einzige Weg über die Bistrita

In Forcasa halten wir an, um Mittag zu essen. Vorher hatte schon Dauerregen eingesetzt. Einige Einheimische verbringen ebenfalls ihre Mittagspause dort. Beim Bezahlen hat einer der Männer Probleme mit den vielen Scheinen, alten und neuen Lei, auch wir müssen immer zweimal  hinschauen, die vielen Nullen sind verwirrend.

Wir brechen auf zur Stausee-Rundfahrt. Durch den anhaltenden Regen sind die Pfützen gefüllt und die Straßen haben den Anschein ohne Schlaglöcher zu sein. Wir irren uns gewaltig. Bei der Überquerung einer Brücke fährt uns der Schrecken in die Glieder...

Wir geraten in ein Schlagloch, dass - dem Knall nach zu urteilen - mind. "10" m tief sein muss. Sofort halten wir an, um zu sehen, an welcher Stelle das Auto auseinandergebrochen ist. Unglaublich, zum Glück ist nichts passiert. Wir können unsere Reise fortsetzen.

Am Staudamm halten wir an und bemerken beim Spazierengang über die Krone, wieviel Müll sich hier angesammelt hat. Das Wasser findet trotzdem seinen Weg.

In Bicaz wird getankt. 

Zement mal, ein Berg fällt (Heidelberger Carpatizement)

Wir passieren die beeindruckende Bicaz-Klamm (cheile),

die allerdings mit Andenkenständen zugepflastert ist. Die Schönheit und Wildheit der Natur überwiegt trotz allem. Hinter der Klamm liegt der Lacu Rosu (der rote oder auch mörderische See - im Jahr 1838 der Sage nach durch einen Bergrutsch entstanden). Auch hier Souvenirstände und einige Hotels - Touristen.

Über den Pasul (Pass) Pangarati gelangen wir nach Gheorgeni (Niklasmarkt). Nach dem ersten Einkauf in einem rumänischen Supermarkt finden wir eine Übernachtungsmöglichkeit in der Stadt. Im Hotel bekommen wir einen Stadtführer und schlendern durch den Ort. Ein Zigeunerjunge spricht uns an und hält die Hand auf.

Kulturzentrum

In der 17.000 Einwohner zählenden Stadt leben ca. 75 % Ungarn, was durch die Sprache und die Beschilderung der Geschäfte, Straßen etc., deutlich wird. Aus dem Stadtführer entnehmen wir, dass Transsylvanien ein demografisches Vakuum war, in dem sich die Rumänen erst nach den Ungarn angesiedelt haben.

Obst- und Gemüseauslage

Tagesstrecke: 235 km

24.06.06

Nach dem Auschecken halten wir Ausschau nach einer Möglichkeit zum Frühstück und finden ein nettes Lokal. Gut gesättigt starten wir in den Tag. Brasov/Kronstadt (ursprünglich eine Siedlung der Siebenbürger Sachsen) ist heute unser Ziel. Wir fahren durch Dörfer, die zum Teil sehr ordentlich aufgeräumt erscheinen, dann wieder krasse Armut.

 

In Miercurea-Ciuc sind die Spuren des Realsozialismus nicht zu übersehen. Es folgt ein Kurort, in dem es von Touristen wimmelt. Nichts für uns! 

Baile Tusnad

Weiter geht es nach Sfantu Gheorge, das altertümlichen Charme vermittelt und sicher einen längeren Aufenthalt wert wäre. An der orthodoxen Kirche sehen wir (zum wiederholten Mal) Frauen in schwarz mit Käppi, darüber ein Tuch gebunden.

Über die Europastraße 574 erreichen wir Brasov, über mehrere Kiometer geht es vierspurig in die Stadt hinein.

In Brasov selbst ist das Fahren chaotisch, aber schließlich gelangen wir in die Altstadt und finden auch einen Parkplatz in der Nähe der "schwarzen" Kirche (Achtung Steinschlag!).

Beim Rundgang durch die Altstadt, bettelnde Zigeuner, die auch hier nicht gern gesehen sind. Ein Straßentheater - wir wissen nicht gleich, worum es geht . Dann spricht uns ein niederländischer Priester an und erzählt uns vom Dienst für Jesus und von der Bekehrung dazu, der Liebe im Herzen und wie diese Jugendlichen dadurch von Alkohol und Drogen loskamen, was sie im Theaterstück zum Ausdruck bringen.


Blick auf die "schwarze Kirche"

Nach einer kleinen Irrfahrt finden wir wieder aus der Stadt heraus (zu warm, zu viele Leute).

schiefe Ladung

 

"Draculas" Schloss (Bran)

Fagaras-Gebirge

Auf der Karte entdecken wir eine Klamm, die rechts des Weges liegt. Für 1 Lei pro Person dürfen wir einfahren. Bis zum Ende, wo eine Jägerunterkunft steht, arbeiten wir uns durch. Dass es mit dem Auto überhaupt erlaubt ist, in Deutschland unvorstellbar. Die Rumänen grillen und picknicken hier, der Müll bleibt einfach liegen. Es gibt noch ein paar Hotels hier oben, nach jeder Kurve denken wir, jetzt ist Schluss, doch insgesamt 10 km kurvenreiche Beton-, Schotter- und Waldwege sind zu bewältigen. Das ganze natürlich wieder zurück.

Unten angekommen, liegen noch 30 km bis Campulung, wo wir übernachten wollen, vor uns. Auf dem Weg über den Berg Mateias müssen wir an einer Baustellen-Ampel anhalten. Den ganzen Weg entlang verkaufen Zigeunerkinder ihre gesammelten Waldbeeren. Als wir an der Ampel stehen, kommen sie ans Auto, wir wollen nichts kaufen. Dann zeigen sie auf das Brot, was wir gerade essen. Wir geben ihnen ein paar Scheiben und auch von der Wurst, etwas komische Gefühle haben wir dabei, aber sie machen zufriedene Gesichter.

Oben am Pass angekommen, schauen wir auf Campulung

und fotografieren das "Mausoleul Mateias".


Wir füttern noch ein paar streunende Hunde mit dem restlichen Brot. Campulung erscheint uns bei der Einfahrt ziemlich verwahrlost, der Ortskern ist aber recht ansehnlich und für 120 Lei (ca. 30 €) quartieren wir uns in einem netten Hotel mit Restaurant ein. Beim Stadtbummel machen wir noch einige Fotos  und gehen dann zum Essen ins Hotel.




 


Tagesstrecke: 270 km

 

RO 2 006 Campulung-Sibiu


25.06.06

Nach einem "Naja"-Frühstück geht es Richtung Südwest, quer durch die südlichen Karpaten, always Berg und Tal. Die Straßen sind teilweise in einem Zustand, den wir uns nicht erklären können.

 

Wie wir noch sehen werden, kann es passieren, dass die Straße einfach abbricht. Es scheint, als ob Erdverschiebungen stattfinden und manchmal senkt sich eine Straßenhälfte um 10-20 cm ab.

 

Domnesti

Bei Robaia besichtigen wir ein kleines Kloster. Möglicherweise ist ein Ferienheim angeschlossen, Kinder laufen auf dem Gelände herum.

 

In der Nähe eine Quelle, an der die Einheimischen Wasser holen (wie schon oft gesehen). Wir nehmen eine Flasche mit.

 

Der Weg dorthin gestaltete sich nicht ganz so einfach, nicht nur holprige Feldwege, diesmal müssen wir mit dem Auto durchs Wasser! Im ganzen Tal sind die Brücken vom Hochwasser zerstört worden, es gibt nur Hilfsbrücken oder den Weg durch das Flussbett. Die Kraft der Natur wird hier deutlich, Unmengen von Geröll wurden ins Tal gespült. In Curtea de Arges (Fürstenhof am Arges) fahren wir einen ca. 2-3 km langen Boulevard entlang, dicht mit Bäumen bestanden, schöne Villen. Am Kloster ist viel los, leider kann man von außen nichts erkennen. Zur Weiterfahrt nach Ramnicu Valcea ist eine Umleitung ausgeschildert. Trotz des Durchfahrt- Verbots, folgen wir den Einheimischen, die diese Route wählen. Es hat heftig zu regnen begonnen und bald wissen wir, warum die Straße eigentlich gesperrt ist. . Wir erklimmen mit dem Wagen eine kleine Anhöhe und werden durch Hinweisschilder auf eine Behelfsumfahrung geführt. Eine Buckelpiste allererster Güte und das in strömendem Regen.  Dann sehen wir auch den Grund für die Umleitung, der aber niemand zu folgen scheint, es herrscht reger Verkehr: Die Straße ist auf ca. 20-30 m Länge um 5-6 m abgesackt!

 


 

In Ramnicu Valcea fahren wir ins Industriegebiet, hier soll es ein Chemiekombinat geben. Vor der Stadt überqueren wir den Olt,

 

der in Richtung Süden durch mehrere Seen aufgestaut wird.

 

 Schrankenwärterin

 

Oltchim

Bei Cotesti fahren wir noch einmal in eine Klamm. Die Landschaft in Rumänien nimmt kein Ende!

Leider haben die Menschen hier für Umweltschutz noch nicht viel übrig. Am Wochenende wird gegrillt oder Picknick veranstaltet und der Müll bleibt liegen. Das "Kloster" auf dem Weg in die Klamm ist wohl doch keins (vielleicht eine Schule, Sozialbauten?). Viele Kinder laufen herum, als wir mit dem Auto wenden kommen sie heran und fragen nach Bonbons (caramel). Zuerst verteile ich ein paar auf die ausgestrecken Hände, dann gebe ich ihnen die ganze Tüte. Sie bedanken sich und winken uns hinterher.....

 

hier rieselt der Kalk

Nun wird es langsam Zeit ein Zimmer zu suchen. Ein paar Kilometer fahren wir noch durch ein schönes Tal und in Baia de Fier, ein Touristenort, biegen wir auf gut Glück in eine Seitenstraße, die zu einer Klamm und einer Höhle führt, ab. Am letzten Haus ist ein recht unscheinbares Schild "Pensiunea" angebracht. Im Garten entdecken wir ein junges Bukarester Paar, die glücklicherweise englisch sprechen und für uns den Vermieter anrufen. Das Haus ist ein modernes Feriendomizil, wie wir es häufige in Rumäien gesehen haben: Ein großer Wohnraum, Küche zur gemeinschaftlichen Benutzung und mehrere Gästezimmer mit Bad/WC.

Tagesstrecke: 226 km

 

26.06.06

Übernachtung im Tal der Pestera Muierilor. Eine Höhle, die wir aber nicht besichtigen. Mit einem selbstgemachten Frühstück beginnen wir den Tag. Für den Kaffee bekommen wir morgens frische Milch vom Vermieter gebracht. Wir müssen Geld tauschen und tanken, schließlich wollen wir heute den Urdele-Pass (> 2000 m) überqueren. In Novaci finden wir beides, allerdings Geld aus dem Automaten.

Außerhalb von Novaci verheißt ein Schild an der Straße zum Pass nichts Gutes,

aber wir gelangen immerhin bis Rinca. Ein recht gut ausgebaute Straße führt nach oben.

 

An weit ausgedehnten Matten vorbei, Schafherden, die friedlich grasen

Kuhherden, die auf der Straße entlang getrieben werden,

Hütehund nach getaner Arbeit

erreichen wir einen Ort, in dem rege Bautätigkeit herrscht. Hätten wir nicht erwartet: "Romania-Bauboom" (die Besitzer der Häuser sollen überwiegend aus Bukarest sein).

Ein wenig geht der Weg noch weiter, aber nach kurzer Zeit sehen wir ein, dass es keinen Sinn hat, weiterzufahren. Eine Buckelpiste ohnegleichen, zu anstrengend für Material und Mensch. Leider!! Wir müssen umkehren und zum Balea Lac hinauf, zwischen Moldoveanu und Negoiu (> 2500 m).

in Rinca

abwärts

Das bedeutet, zurück nach Curtea de Arges. Wir verfahren uns, bei dem Versuch eine Abkürzung bei Salatrucu zu nehmen. So wird die heutige Tour etwas länger als sonst. Die Strecke im Arges-Tal, führt am Stausee Vidraru vorbei, in endlosen Serpentinen, über die Baumgrenze bis auf 1800 m.

 

 Monument am Stausee

 

 Blick auf die Bergrettungsstation

 

 Die Landschaft entschädigt uns für die Strapazen, sie ist so beeindruckend, dass wir häufig anhalten, um sie auf uns wirken zu lassen (muss man selbst erleben). Beim Fahren halten wir uns stets an der Bergseite, Leitplanken: Fehlanzeige, uns ist ein bisschen flau im Magen. Wir sehen Schäfer, die einsam ihr Tagwerk verrichten. Oben angekommen, müssen wir durch einen Tunnel auf die andere Seite des Fagaras-Gebirges. Stockfinster im Tunnel, ein wenig unheimlich wird es, als wir plötzlich Stimmen und Pfeifen hören. Drei Wanderer kommen uns entgegen (?!?!?!).

 

Hinter dem Tunnel (Nordseite) sind Schneewände noch meterhoch. 

Trotzdem (wie man unten sehen kann), machen hier wohl einige Leute "Campingurlaub".

Es gibt auch eine Herberge, aber wir wollen lieber wieder ins Tal. Bei der Abfahrt kommt uns ein weißer VW-Bus (Allrad) mit Münchner Kennzeichen entgegen. Zuerst fahren wir langsam aneinander vorbei, winken, dann bremsen beide und es folgt ein kurzer Austausch von Reiseerfahrungen. Der Alleinreisende wollte ebenfalls über den Urdele-Pass, allerdings aus nördlicher Richtung, hatte dieses Unterfangen jedoch aufgrund von Schneewarnungen aufgegeben und sich ebenso wie wir für den Balea Lac entschieden. Leider führen unsere Wege in verschiedene Richtungen, es hätte sicher noch viel zu erzählen gegeben.

Talblick in nördlicher Richtung

Im Tal finden wir eine recht komfortable Unterkunft in einer Ferienhaus-Siedlung. Der Vermieter spricht gut deutsch. Da wir nichts zum Abendessen haben, fahren wir nach Cartisoara zum Einkauf. Die Ladeninhaberin spricht ebenfalls deutsch und sie erzählt uns, dass ihre Mutter Deutsche war.

Magasin Mixt hat leider keine Milch und keine Eier, aber die freundliche Ladeninhaberin vermittelt uns an die Bäuerin von gegenüber. Wieder mal Glück gehabt! Überhaupt ist es Glück, so eine Reise machen zu können. Uns wird bewußt, dass der Urlaub langsam zu Ende geht.

 die Brücke zur Ferienhaussiedlung (mit losen Bohlen!!)

Tagesstrecke: 340 km

 

27.06.06

Der Morgen beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück: Rührei, Kaffee mit frischer Milch (mal wieder). Heute wollen wir uns die Stadt Sibiu (Hermannstadt) ansehen, leider sind viele Bauarbeiten im Stadtkern anzutreffen, die den wirklichen Eindruck stark einschränken, trotzdem kann man sich vorstellen, welches Juwel einer alten Stadt sich hinter den verhängten Fassaden verbirgt. Hier bemerkt man, dass es nach vorn geht, auch hier natürlich Bettler (menschliches Leid bleibt auf der Strecke). Wir kaufen einer alten Frau 2 Holzlöffel ab. In einer orthodoxen Kirche spüren wir, wie sehr die Menschen in ihrem Glauben verhaftet sind. Sie bekreuzigen sich und küssen mehrfach die Heiligenbilder, beten und schreiben vermutlich ihre Bitten auf kleine Zettel.

Marktplatz

Auf unserem Spaziergang durch die Stadt entdecken wir malerische Winkel.

Stadtmauer

 

 


Evangelische Stadtkirche

Brukenthal-Schule

RO 2006 Sibiu-Oradea


27.06.06

 

Wir verlassen Sibiu und fahren auf dem rumänischen "Autoput" gen Westen.

 

Rapa Rosie (rote Schlucht) bei Sebes

Wir schlucken Unmengen von Dieselabgasen, aber der Verkehr läuft einigermassen gesittet. Unser Weg führt nach Hunedoara, einer ausgesprochenen Industrieregion, die Heimat der Stahlkocher.

Kirche in Hunedoara

Über der Stadt thront die mächtige Burg der Hunedoara, ein altes Adelsgeschlecht, darunter die Ruinen der Eisenverhüttungsindustrie.

 

 

Man kann erahnen, wie die Umwelt und die Menschen zu Zeiten des Betriebes leiden mussten. Beeindruckend die Verbindung von Geschichte und Industrie.

Für die Fahrt in Richtung Oradea (Nordwest, die Heimat ruft) müssen wir noch tanken. Dann geht es durch eine hügelige Landschaft, Teil der Westkarpaten. In Brad werden wir mit "Noroc Bun" begrüßt. Hier gibt es ein Gold- und Kohlebergwerk, dass allerdings im September geschlossen werden soll. Außerdem ein in Europa einzigartiges Mineralienmuseum.

Im stark von sozialistischer Bauweise geprägten Zentrum sitzen wir bei 27° C, trinken ein kühles Bier und beoabchten die jungen Menschen, sie flanieren wie überall in Europa durch die Straßen.

Tagesstrecke: 250 km

28.06.06

Früh auf heute, 7.00 Uhr. In der Stadt ist schon viel Betrieb, als wir gegen halb neun frühstücken gehen. Wir sitzen draussen und betrachten das postsozialistische Kleinstadtleben. Vor der langen Fahrt gen Heimat besuchen wir noch das kleine Museum für Mineralogie. Hier sind einige Fundstücke aus der nahegelegenen Goldmine ausgestellt. Für Mineralogen ist dies sicher ein Paradies

P.S.: Das Museum hat von der Zeitenwende noch nichts erfahren, bis auf die Museumsführerin trägt alles noch das Kleid der Ceausescu-Ära.


Goldschlange

Die letzten Kilometer in Rumänien, über Oradea geht es zu Grenze nach Ungarn.


Die Straßen werden besser, der Verkehr rollt, trotz der vielen Baustellen. Die Ungarn sind schon drei Steinwürfe weiter auf der EU-Geraden.

Das Land ist flach! Ist das schon die Puszta?

 


Wir fahren durch die Theiß-Niederung. In Görbehaza scheinen sich nochmal alle Störche versammelt zu haben. Mindestens 15 Nester sind entlang der Dorfstraße auf den Strommasten bewohnt. Über die Theiß geht es nach Miskolc. Links von uns jetzt eine Hügellandschaft (400-500 m hoch).

unbekanntes stehendes Objekt in Ungarn (wer weiß mehr?)
 

Um 17. 00 Uhr erreichen wir die slowakische Grenze. Danach Pause und Kartenstudium zwecks weiterer Routenfestlegung. Drei Stunden wollen wir noch fahren, dann ein Zimmer suchen. Bei Lucenec erwischt uns das zweite Gewitter an diesem Tag. In Rumänien mussten wir allerdings anhalten, so heftig war es. Hinter Zvolen biegen wir nach Norden in das Turcianske-Tal ab. Laut Karte ist Martin ein malerischer Ort, das können wir nicht bestätigen. Am Automaten ziehen wir 3.000 Kronen und finden ein nettes Motel hinter der Stadt für 40,-- € zwar etwas laut, aber das Essen ist gut und preiswert.

Tagesstrecke: 590 km

29.06.06

Burg bei Strecno

Frühstück, Tanken und weiter geht´s (wir möchten heute abend zu Hause schlafen). Auf dem Weg zur tschechischen Grenze verpassen wir bei Bytea die Abfahrt, 10 km wieder zurück. Hinter der slowakischen Grenze ist 1 km Niemandsland, dann erst beginnt Tschechien. Über Roznov, Valasske Mezirici führt unsere Route nach Olomouc (Olmütz). Dort nehmen wir die Bundes- anstatt der Schnellstraße und fahren dadurch einmal im Kreis durch die Stadt. An Hradek Kralove (Königgrätz) vorbei, fahren wir bis Turnov (Turnau), biegen dann nach Tannwald ab. Wir wollen Liberec (Reichenberg) umgehen, um zur polnischen Grenze zu gelangen. Leider ist die in der Karte verzeichnete Straße nicht zu finden, wahrscheinlich noch in Planung, oder verschüttet. Also wieder zurück, nun doch durch Liberec. Und dann verpassen wir auch noch die direkte Straße nach Frydlandt, dadurch nochmal 5 km in die falsche Richtung.

Dann sind wir endlich in Polen. Hier wollen wir uns noch das Braunkohle-Gebiet bei Bogatynia ansehen. Wir fahren einmal drumherum und sind beeindruckt von dem riesigen "Loch", ca. 5 km Durchmesser und dem Kraftwerk Turnow mit fünf Kühltürmen. Auf dem Weg zum Grenzübergang nach D fahren wir eine schmale Allee entlang, der Asphalt reicht bis zu den Bäumen.

In Zittau essen wir "Alten Sack", traditionelle Oberlausitzer Leineweber-Kost. Es ist 22.30 Uhr als wir endlich starten, 400 km liegen noch vor uns. Um 1 Uhr Fahrerwechsel, kurz vor vier sind wir zu Haus und sinken erschöpft in unsere Betten.

6.390 km liegen hinter uns.

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